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Der Frühling ist auf dem Vormarsch!

Und wie jedes Jahr sprießen neben den Tulpen aus dem Boden, urplötzlich, bei den nun immer wärmeren Temperaturen, die neusten Diät-Tipps.

Sie sollen das Ende der Winterspeck-Ära einläuten.

Die Titelblätter der renommierten Frauenmagazine versprechen ''Die Diät- endlich das Traumgewicht erreichen!''

Doch was ist eigentlich das ''Traumgewicht''?


Samstag Morgen, Einkaufsbummel. Schon aus dem Schaufenster blicken einem die starren Augen der ranken Schaufensterpuppen entgegen.

Ein erstes Indiz auf das Traumgewicht, das man gefälligst zu haben hat?

Definitiv, denn wagt man sich tatsächlich in das Innere des Konsumtempels, so muss man des Öfteren schockiert feststellen, dass sich etwas Grundlegendes verändert hat:

Man hat in der Zeit vom letzten Kleiderkauf bis heute, auf unerklärliche Weise um so einige Konfektionsgrößen zugelegt.

Oder wie ist es ansonsten zu erklären, dass plötzlich Größe L wie angegossen passt, während sich Größe 36 dem Körper knackig-bauchfrei und nur äußerst unangenehm kneifend anlegen lassen will?

Oftmals muss man dann erst einmal schlucken.

Die ewig elende Frage ''Bin ich zu dick?'' bahnt sich ihren Weg in unser Bewusstsein, und macht es sich dort wie ein ungebetener Gast bequem.

Hallo Selbstzweifel, da seid ihr ja wieder! Ich hatte euch auch schon fast vermisst!

''Eigentlich bin ich doch ganz zufrieden mit mir'', denkt man bei einem prüfenden Blick in den Spiegel.

Aber in Anbetracht des Miniaturkleidungsstückes am Kleiderbügel, wird die Umkleidekabine um uns herum schnell viel enger.

Es wird ersichtlich, dass wir uns selbst nicht täuschen können.

Unser Selbstbild gerät so einfach ins Wanken, dass die Tasse Kaffee mit dem leckeren Stück Kuchen, Krönung unseres Ausfluges, ganz schnell aus unserer Planung gestrichen wird.

Und so wird aus der wochenendlichen Hochstimmung ohne Weiteres ein grandioser Tiefpunkt.

Aber warum das Ganze?

Müssen die Arbeitgeber der ausgebeuteten Näherinnnen in den Entwicklungsländern plötzlich auch noch an Stoff sparen?

Oder ist das Bild, das uns die Medien von dem ''perfekten Körper'' und dem ''perfekten Gesicht'' vorgaukeln, viel mehr daran Schuld, dass wir es heute so schwer haben, uns wirklich wohl in unserer Haut zu fühlen?

Ich denke dabei besonders an diverse Bikini-Fotos gewisser Model-Schönheiten, die durch die Medien gehen wie eine Grippewelle.

Wenn hervorstehende Knochen ein Ideal der heutigen Zeit sind, ist das dann wirklich schön?

Oder ist nicht viel mehr die Frage: Ist das noch gesund?

Diäten mit möglichst wenig Eiweiß, Kohlenhydraten und auch Fett sind es sicher nicht, da dies wichtige Bestandteile der Ernährung sind.

Und wer profitiert eigentlich von unserem ins Wanken geratenem Selbstbild?

Abnehmkursleiter, Kochbuchverfasser, Light-Produkte-Hersteller und Fitnessstudio-Betreiber?

Zugegeben, ich liebe Sport und gesundes Essen, doch irgendwann ist auch ein Punkt erreicht, an dem der Körper an seine Grenzen gerät.

Und diesen Punkt gilt es von vornherein nicht zu erreichen.

Immer öfter frage ich mich, wann wir verlernt haben, auf unser eigenes Gefühl zu vertrauen, ja es überhaupt noch wahrzunehmen.

Was siehst Du, wenn Du in den Spiegel schaust?

Bist das wirklich Du,

oder ist Dein Spiegelbild nur eine Reflexion der Gesellschaft?

Deine Nase ist zu groß?

Wer bestimmt was zu groß ist? Die Oberschicht in ihren protzigen Häusern?

Deine Brüste sind zu klein?

Wer bestimmt in einer Welt der großen Gebäude was zu klein ist?

Du bist zu dick?

Wer sagt das?

Vor nicht all zu langer Zeit waren Kurven noch ein Schönheitsideal- auch und gerade jenseits der Straßenführung.

Essen soll Spaß machen, genussvoll sein.

Natürlich sollte man darauf achten, nicht in das andere Extrem zu geraten, da Langzeitfolgen von Übergewicht wie zum Beispiel Diabetes oder Bluthochdruck bekanntlich äußerst unangenehm sind, und eine Verringerung der Lebensqualität darstellen.

Aber ein Leben, in dem nur Kalorien, und nicht die glücklichen Stunden gezählt werden, erscheint mir auf der anderen Seite als ähnlich frustrierend.

Wie sooft erlegen wir uns selber Grenzen auf, und besonders in diesem Fall frage ich mich:

Wofür?

Damit Dich Dein Partner attraktiv findet?

Würde er Dich nicht auch mit ein paar Kilos zu viel noch lieben?

Damit Dich niemand schief ansieht, wenn Du auch ohne Modelmaße durch das Leben gehst und trotzdem lachen, ja sogar mit Genuss auch mal ein Stück Torte essen kannst, ohne es zu bereuen und als ''Sünde'' anzusehen?

Oder ist es wirklich Dein eigener Wunsch, der Dich antreibt?


Schönheit kann viele Formen haben:

Ob dick, dünn, groß, klein, blond oder brünett, stark oder schwach.

Was schön ist, das entscheidet nicht die Gesellschaft.


Was schön ist, das entscheidet jeder für sich selbst.

17.4.14 14:42
 
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