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Für immer?

''Herzchen, für immer ist eine lange, lange Zeit. Und die Zeit hat es so an sich, Dinge zu verändern.''

So sagt es eine weise Eule aus einem Disney-Klassiker.

Wie sooft steckt in dem Film, auch wenn er hauptsächlich für Kinder gemacht ist, eine traurige Wahrheit:


Nichts ist für immer.


Es beginnt schon mit den Jahreszeiten, kein Sommer währt ewig.

Auf die schöne, warme Jahreszeit, in der wir das Leben in vollen Zügen genießen,

folgen der trübe Herbst und der kalte Winter.

Doch auch Schnee, Eis und Kälte währen nicht ewig,

auf den eisigen Winter mit den kahlen Bäumen, folgt stets der Frühling mit all den zarten Knospen und Blüten.

So ist zu mindestens in der Natur die Unbeständigkeit etwas, das unser Leben bereichert.

Denn wer würde sich noch über die Sonne freuen, wenn sie jeden Tag scheinen würde,

und er keine Regentage kannte, die irgendwann dann wieder vom Sonnenschein abgelöst werden?

Doch manchmal wäre eine kleine Portion ''Für Immer'' sicher nicht das Schlechteste.

Es beginnt schon beim Beruf:

Ausbildung- was dann?

Dass der Betrieb einen automatisch nach Abschluss der Ausbildung übernimmt, ist schon lange nicht mehr garantiert

Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass es schließlich auch viel günstiger ist, am laufenden Band neue junge Leute auszubilden, als die Vorgänger weiter zu beschäftigen?

Folglich gibt es dann mehr Arbeitskräfte als Arbeitsplätze.

Nach der abgeschlossenen Lehre stellt sich also die Frage:

Bleibe ich auf der Strecke?

Nehme ich einen Aushilfsjob an?

Oder beginne ich nochmal komplett von Vorne?

Die Unstetigkeit zeigt sich jedoch nicht nur bei der jungen Generation, auch die Älteren haben mit ihr zu kämpfen.

Wie viele Arbeitnehmer bleiben noch ihre gesamte Laufbahn in nur einem Betrieb, müssen nicht wechseln,

werden nicht versetzt

oder auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten entlassen?

Wo sind die bewährten Arbeitskräfte hin, deren Erfahrung aus langer Zusammenarbeit resultiert?

Wieder wird deutlich, wie stark die Zeit Dinge verändern kann:

Waren Langzeitanstellungen früher hoch geschätzt, so wird der Arbeitsmarkt heute dominiert von unterbezahlten Minijobs und Leiharbeitern,

sowie von Arbeitskräften, die von Tätigkeit zu Tätigkeit wechseln müssen.

Unsicherheit und Frustration- Resultate der Zeichen der Zeit?

Symptome oder schon die Krankheit selber, die die heutige Zeit provoziert?

Und jenseits der Berufswelt, wenn wir Freundschaften betrachten,

so müssen wir feststellen, dass es manchmal nicht einmal einen Streit braucht, damit Freundschaften auseinander brechen.

Es passiert schleichend, einfach so- fast wie bei einer Erkältung.

Doch statt einem Kratzen im Hals äußert sich zunächst meist nur unangenehmes Schweigen.

Wie kommt es, dass man sich plötzlich nichts mehr zu sagen hat?

Was folgt ist, dass die Anrufe ausbleiben.

Aus vorher stundenlangem Gelächter (und Geläster) wird ein '' Tut mir Leid, gerade passt es mir wirklich schlecht'',

oder schlimmer: ''Ich weiß nicht, wann wir uns das nächste mal sehen können!''

Und so kommt es, dass Freunde zu Fremden werden.

Immerhin der Anfangsbuchstabe bleibt der Selbe...

Wie ist es also zu erklären, dass wir Menschen, mit denen wir unsere Gedanken und Hoffnungen, unsere Träume und dunkelsten Geheimnisse in guten und schlechten Zeiten geteilt haben,

so einfach aus unserem Leben streichen können?

Natürlich treibt uns das Leben auseinander,

das lässt sich kaum vermeiden, da jeder sein Leben nach seinen Wünschen gestalten möchte.

Andere Wünsche und Interessen sind nichts Ungewöhnliches,

warum aber scheinen sie eine gravierende Wirkung zu haben,

dass ehemalige Freunde nach einiger Zeit oftmals nicht einmal mehr den einfachsten Gruß über die Lippen bekommen, wenn sie sich zufällig auf der Straße begegnen?

Gehen wir zu guter Letzt noch einen Schritt weiter:

Partnerschaften- oftmals muss man mehrere durchlaufen, bis man den passenden Partner gefunden hat- vorausgesetzt, einem wird dieses Glück überhaupt zu Teil.

Aber was ist mit jenen,

denen wir auf dem Weg dorthin begegnen, die uns nah und wichtig waren?

Ich würde gerne glauben, dass nichts im Leben ohne Grund geschieht.

Aber wie ist es zu erklären, dass wir irgendwann genau den Menschen, dem wir einmal so nah wie möglich sein wollten, von uns weisen?

Gefühle müssen also auch vergänglich sein.

Oder verhält es sich viel mehr wie mit Schuhen?

Probieren wir möglichst viele an, um zu sehen wie sie passen?

Ziehen wir sie wieder aus, sobald sie zu drücken beginnen?

Und tragen wir letztendlich einfach das Paar, das für uns am bequemsten ist?

Wie oft bereut man erst hinterher, dass man sich nicht mehr bemüht, nicht mehr gekämpft hat?

Natürlich sind das alles Fragen, auf die weder ich noch irgendjemand eine richtige Antwort wissen kann.

Jedoch schadet es wohl nicht, einmal darüber nachzudenken.



''Herzchen, für immer ist eine lange, lange Zeit.

Und die Zeit hat es so an sich, Dinge zu verändern.''


Die Zeit verändert uns.

Wir erleben, wir fühlen, wir altern- die Zeit ist unser ständiger Begleiter.

Wir leben nicht für immer.

Wir sind den Gesetzen der Zeit unterlegen, und die Zeit hat es an sich, Dinge zu verändern.

Warum aber nutzen wir die Zeit, die uns gegeben ist nicht um sie zu verändern,

sie zu unserer Zeit zu machen?

19.4.14 11:21
 
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